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Posted:
2025-04-02 13:23:10
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https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/65851/6004619
Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss
Rhein-Kreis Neuss (ots)
Das Telefon klingelt, am anderen Ende der Leitung weint ein angeblicher Verwandter, dann eine Stimme, die sich als Polizist ausgibt, von einem Unfall erzählt und Geld fordert: Immer wieder versuchen Verbrecher, mit Hilfe von gezielter psychologischer Manipulation zumeist ältere Menschen um Geld oder Wertsachen zu betrügen - leider nicht selten mit Erfolg und auch im Rhein-Kreis Neuss. Rund 50 Tatbestände der Kategorie "Schockanruf und falscher Amtsträger" wurden der Behörde in 2024 bekannt - die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Weil Aufklärung helfen kann, in einer solchen Drucksituation kühlen Kopf zu bewahren und die Täter scheitern zu lassen, gibt Christoph Kaiser, Fachmann für den Bereich Kriminalprävention und Opferschutz, Tipps. Der Kriminalhauptkommissar erklärt das Vorgehen der Betrüger und rät, wie man sich vor deren Maschen schützen kann.
Herr Kaiser, die wichtigste Frage vorab: Wenn jemand Opfer eines Schockanrufs wird, wie sollte er oder sie sich verhalten? Kaiser Aktuell führen wir im Rhein Kreis Neuss mit Unterstützung einiger Prominenter die Kampagne Auflegen durch, Rita Süssmuth, Horst Lichter, Wolfram Kons, Nicky Kempermann, Sören Steinhaus und die Räuber haben sich für Aufsteller, Plakate und Postkarten zur Verfügung gestellt. Es geht um die unterschiedlichsten Betrugsarten und jeweilige Botschaften hierzu. Als Beispiel, eine Kautionsforderung nach Verkehrsunfall verursacht durch die Tochter/den Sohn oder ein angeblicher Amtsträger ruft an und berichtet von Einbrüchen, nicht zuletzt ein Bankmitarbeiter/in ruft wegen angeblicher überhöhter Konto-Abbuchungen an. Unsere Botschaft: Legen Sie auf! Sollte es hier ein tatsächliches Problem geben, können sie selber unter 02131 3000 die Polizei anrufen und ihr "Problem" schildern. Sind ältere Menschen stärker gefährdet? Kaiser Grundsätzlich versuchen die Täter eher, sich an ältere Bürgerinnen und Bürger zu wenden, in der Hoffnung, diese manipulieren zu können. Es gibt aber auch andere Fälle, und es sind auch schon jüngere Erwachsene Opfer von Betrugsfällen geworden. Man muss wissen, dass die Täter ein großes Netz auswerfen: Sie rufen zahlreiche Nummern an, und wenn sich einer der Angerufenen empfänglich für die aufgetischte Geschichte zeigt, versuchen sie, dort Beute zu machen. Wenn jemand den Betrugsversuch erkennt, wird einfach die nächste Nummer gewählt. Woher haben die Betrüger überhaupt die Kontaktdaten? Kaiser Das kann man nicht allumfassend beantworten. Im Darknet kann man ganze Listen mit Telefonnummern kaufen, oder die Kontaktdaten stammen aus anderen Datenlücken. Es ist für die Täter nicht schwer, an diese Daten zu kommen, und dann gehen sie nach dem Prinzip Versuch und Irrtum vor, um an Menschen zu kommen, die ihnen ihre Masche glauben. Ältere Vornamen wie Wilhelm oder Elfriede können hier ein möglicher Hinweis darauf sein, ältere Menschen anzutreffen. Wie eröffnen die Betrüger typischerweise ein Gespräch? Ist das schon ein Erkennungszeichen? Kaiser Der Gesprächseinstieg erfolgt fast immer über ein hoch emotionales Thema, zum Beispiel, indem man die Stimme eines angeblich weinenden Verwandten hört. Dann übernimmt jemand, der vorgibt, Polizist zu sein, und erzählt von einem angeblichen Unfall und einer Kaution, die für den oder die Verwandten hinterlegt werden muss. Andere falsche Amtsträger, die sich zumeist als Polizisten ausgeben, behaupten, dass in der Nachbarschaft eingebrochen wurde, und dass der Name des Angerufenen auf einer Liste mit weiteren Zielen steht. Es geht immer darum, die Opfer in Angst und Sorge zu versetzen und so zu verhindern, dass sie das Gespräch kritisch hinterfragen. Erkennt man die Stimme eines Verwandten nicht am Telefon? Kaiser Wie oft hört man schon seinen erwachsenen Sohn, seine Tochter, Enkel, Neffen oder Nichten bitterlich weinen? Würden Sie die Stimme zweifelsfrei erkennen, zumal durchs Telefon? Der menschliche Verstand ist darauf trainiert, bekannte Muster zu erkennen, und wenn eine Stimme am Telefon weint und jemand, der sich als Autoritätsperson ausgibt, behauptet, das sei ein Angehöriger, neigt man dazu, das zu glauben. Es gibt Menschen, die Opfer solcher Verbrechen werden, und sich sicher sind, am Telefon mit einem Verwandten gesprochen zu haben. Und auch hier: Wenn der Betrug nicht funktioniert, wählen die Täter einfach die nächste Nummer. Diese Form der psychologischen Manipulation erfordert ja von Seiten der Täter gewisse Fähigkeiten, oder? Kaiser Zu dieser Form von Betrügereien neigen sicherlich Personen, die sich gut ausdrücken und gut verkaufen können. Menschen, die neu in dieses illegale Geschäft einsteigen, werden von erfahrenen Betrügern angelernt und lernen so die Tricks. Die Täter sind auch sehr gut darin, auf Zweifel der Angerufenen zu reagieren und diese in der erfundenen Geschichte zu halten. Spielt Künstliche Intelligenz hier eine Rolle, um Stimmen zu imitieren? Kaiser Bisher ist das noch kein wichtiger Faktor. Eine KI braucht in einem Mindestumfang eine Stimmprobe, um sozusagen trainiert zu werden. Das könnte auch eine ausführliche Bandansage auf einem Anrufbeantworter sein. Aktuell ist es sicherlich noch die Frage, ob Täter diese Technik kennen und so beherrschen, dass sie eine KI einsetzen können. Zukünftig wird das mehr und mehr ein Thema werden. Woher und inwieweit kennt die Polizei das Vorgehen der Betrüger? Kaiser Den Ermittlern gelingt es immer wieder, den oft aus dem Ausland operierenden Tätern auf die Spur zu kommen - aus den Vernehmungen lernt man dann etwas über ihr vorgehen. Natürlich helfen auch die Gespräche mit den Betroffenen, ihre Vorgehensweise zu analysieren. Unsere Ermittler machen hier eine sehr gute Arbeit, was die Erfolge in der vergangenen Zeit belegen. Angenommen, jemand ist betrogen worden und schöpft erst im Nachhinein Verdacht: Was ist jetzt die richtige Verhaltensweise? Kaiser Es ist auf jeden Fall wichtig, die Polizei zu kontaktieren und Anzeige zu erstatten. Wir wissen aus Erfahrung, dass viele Menschen, die Opfer eines Betrugs geworden sind, sich dafür schämen und denken, sie hätten es besser wissen müssen. Häufig gehen sie deswegen nicht zur Polizei, verheimlichen es teilweise sogar vor den Angehörigen. Das ist aber das falsche Vorgehen - nur, wenn wir als Polizei über solche Fälle informiert werden, können wir gegen die Betrüger vorgehen. Wie hoch ist die Chance, von den Betrügern erbeutetes Geld oder Wertgegenstände zurückzubekommen? Kaiser Das kommt sehr auf den Einzelfall an. Der Zeitfaktor spielt hier neben konkreten Erkenntnissen zu Tätern, Mittätern oder z.B. Kontobewegungen eine entscheidende Rolle. Soll beispielsweise mit abgefragten Kontodaten sowie PIN/TAN Nummern eine Abbuchung erfolgen und in der Bank fällt dieser Vorgang auf, kann noch eingegriffen werden. Aber man muss leider auch sagen, das Geld und Schmuck häufig schnell fortgeschafft werden und dann nur noch sehr schwer auffindbar sind. Was können Freunde und Familie von älteren Menschen tun, um diese für das Thema zu sensibilisieren? Kaiser Es ist hilfreich, das Gespräch zu suchen und die wichtige Kernbotschaft zu vermitteln: Wir als Familie reden am Telefon nicht über Geld. Sollte jemand mit entsprechenden Aussagen am Telefon diese Themen ansprechen oder Details abfragen, ist unsere Botschaft: Auflegen! Sich darüber bewusst zu sein, kann helfen, im Falle eines Falles nicht emotional zu werden und die Situation kritisch zu hinterfragen. Außerdem kann man sich im Vorfeld auf bestimmte Sicherungsmechanismen zu verständigen. So kann ein gemeinsam festgelegtes Codewort oder eine persönliche Frage, die nur echte Angehörige beantworten können, einen Betrug auffliegen lassen. Wir raten gerade jüngeren Erwachsenen, sich mit Eltern, Großeltern und anderen älteren Verwandten über dieses Thema auszutauschen und sie eindrücklich auf die Gefahr hinzuweisen
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